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Das Krankenhaus als moralisches Subjekt

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[Deutsch] 15/12/2009
Auteur / source : Gonzalo Herranz / Hans Thomas

Ist das Krankenhaus ein Organismus mit eigener Moralität? Und wenn ja, wie weit reicht der Selbstand des moralischen Subjekts Krankenhaus?

Für die einen ist das Krankenhaus ein Gebäude aus Beton und Glas, das besondere Ausstattungen für technische und administrative Dienstleistungen beherbergt, das aber als solches mit so etwas wie einem eigenen moralischen Bewußtsein nicht das mindeste zu tun hat. Für andere ist das Krankenhaus viel mehr, nämlich vor allem ein Netzwerk menschlicher Beziehungen, deren unausweichliche ethische Dimension dem Krankenhaus seine spezifisch moralische Identität verleiht.

Die Vorstellungen darüber, was in ethischer Hinsicht ein Krankenhaus ist, bewegen sich auf unterschiedlichsten Ebenen. Entspre­chend unterschiedlich fällt die Behandlung des Themas in den Berufsordnungen und Verhaltenscodices nationaler Ärzteschaften aus. Nach ärztlichem Standesrecht in Deutschland, Großbritannien, Belgien, Frankreich ist nur der einzelne Arzt bestimmten ethischen Pflichten unterworfen. Das Krankenhaus als solches kommt nicht vor, weil ihm gar kein Status eines eigenen Moralwesens zuerkannt wird, oder weil man eine besondere moralische Regelung der Beziehungen und Verhältnisse im Krankenhaus für überflüssig hält. 

Andere Berufsordnungen widmen dem Ethos des Krankenhauses eine nur beiläufige Aufmerksamkeit. In Spanien regelt das ärztliche Berufsrecht mindestens in Umrissen die institutionelle Einbindung des Arztes im Krankenhaus. Ähnliches gilt für die Richtlinien des American College of Physicians. In einigen wenigen Regelwerken finden die menschlichen und beruflichen Beziehungen im Krankenhaus mehr Raum. Die American Medical Association und besonders die Charte des Medecins Hospitaliers der Europäischen Gemeinschaft behandeln auch das Krankenhaus als eigenes ethisches Kollektivsubjekt.